How to Crash a Wedding

«Ladies and Gentleman, we are approaching Zurich airport. Please return to your seats, fasten your seatbelts and bring your seat back into upright possition», die Ansage klingt wie süsse Musik in meinen Ohren. In diesem Moment weisst du, dass es vorbei ist mit rumsitzen und man bald wieder in seine Freiheit entlassen wird.
Die letzten 23 Stunden waren ziemlich ermüdend aber auch interessant. Zuerst habe ich ein paar interessante Menschen kennengelernt auf dem Flug von Windhoek nach Johannesburg. Dann eine sehr coole Emirates Crew auf dem Anschlussflug nach Dubai. Nur dieser betrunkene Idiot, welcher auf der Toilette im Flug geraucht hat, hat ziemlich jeden genervt. Und jetzt ein fast leerer Airbus A380 auf der letzten Teilstrecke nach Zürich - Ich hatte Mühe alle diese 60 freie Sitzplätze zu nützen in den 6h 30min in der Luft.
Mein Hauptsorge unterbricht meine Gedanken einmal mehr: Wird alles so laufen wie geplant?

Eine Stunde Zugfahrt später in Luzern steige ich in den Zug nach Stans, mein «Zuhause», ein. Wie ein Assassine schleiche ich in den Zug und verstecke mich so gut wie möglich in einer Ecke. Wenn jemand mich erkennt - game over. Ich kann es mir nicht leisten von jemanden erkannt zu werden. Jedoch erinnere ich mich auch an die Worte von Johannes: «Wenn du das Offensichtliche tust welches niemand von dir erwartet, wird dich niemand bemerken».
Hoffentlich hat das Gesagte Hand und Fuss! Aber es scheint wirklich zu funktionieren, zumindest bis ich aus dem Zug steige.
Da steht sie, eine ehemalige Nachbarin von uns, und sieht den aussteigenden Passagieren zu... holly molly... I gehe an ihr vorbei... ihre Augen sind auf den Zug fokussiert... uuuffff, das war knapp!

Durch das Dorf zu gehen mit einem riesigem Rucksack und niemand bemerkt mich grenzt an ein Wunder. Alles läuft gut soweit aber meine grösste Sorge ist jetzt, dass meine Eltern den Köder nicht geschluckt haben - man kann nie seine Eltern in die Irre führen!
Ein Schritt mehr - zumindest ist das Wetter perfekt! - noch ein Schritt mehr - was ist wenn meine Eltern einen Herzanfall bekommen? - noch einen Schritt - es sieht immer noch alles wie vor zwei Jahren aus! - noch einen Schritt - der Thriller beginnt!

Meine Mutter steht draussen und nimmt die Wäsche ab. Ich fixiere sie mit meinen Augen und gehe ich immer näher auf sie zu. Sie hat mich noch nicht bemerkt. Ein paar Schritte mehr und sie sieht zu mir auf. Sie bleibt wie erstarrt stehen - jeder Schneemann wäre eifersüchtig auf ihre Starre. «Nein!», gefolgt von einem weiteren lauteren «Nein!» und noch einmal und nochmals...
«Was ist los?!», mein Vater kommt aus der Wohnung gerannt und es scheint als seine Augen aus dem Kopf fallen würden.
Verdammt JA, es hat funktioniert!

Es war ziemlich viel Arbeit seine Familie und Freunde drei Monate lange an der Nase herum zu führen. Mein ältester bester Freund heiratet und alle haben mich für die Hochzeit erwartet. Unglücklicherweise kann ich Afrika nicht ohne Matatu verlassen. Dies ist zumindest was ich allen erzählt habe.
Wenn es mit meiner Familie funktioniert hat, dann werden auch Melanie und Thomas (nein, nicht der Thomas der mit mir gereist ist) glauben, dass ich nicht kommen werde. Deshalb muss ich mich noch ein Tag in der Wohnung meiner Eltern verstecken. Das Risiko auf der Strasse gesehen zu werden ist zu hoch. Wenn mich jemand sieht, dann geht die Neuigkeit schneller um als Licht und Klang!

Von der Einsamkeit des afrikanischen Busches in das Wespennest einer Hochzeit.
Warme willkommens Umarmungen, sprachlose Freunde, Aufregung, Fragen über Fragen und ein geschocktes Brautpaar.
Die zwei fahren an den sich sammelnden Gästen vorbei um Fotografieren zu gehen als sie ein Blick auf mich erhaschen: Melanies neuste grösste Sorge ist «Wir haben kein Namensschild für ihn!» und Thomas wird nervös «Wir müssen das Restaurant benachrichtigen, dass noch jemand mehr kommen wird!».
Huch, wie wundervoll! Die harte Arbeit zahlt sich aus. Niemand, wirklich niemand wusste dass ich komme - was für ein Erfolg!